Smart Grids: Wenn Strom intelligent wird

Smart Grids, was übersetzt so viel heißt wie „Intelligente Netze“, lösen die Stromerzeugung und -verteilung besonders geschickt. Bereits in den nächsten Jahren soll mit den Smart Grids das Optimum zwischen Erzeugung und Verbrauch von Strom im Mittelpunkt stehen, ohne Einschränkung bei der Netzstabilität. Die Grids kommunizieren direkt mit den Geräten des Endverbrauchers und verraten dabei auch, wenn der Strom gerade besonders billig ist.

StromClevere Netze schaffen Ausgleich

Mit der Einführung der Smart Grids scheint die Energiewende nun endlich zukunftsweisende Formen anzunehmen. Der Umbau des traditionell zentralen Stromnetzes soll mit den Smart Grids in der Zukunft dezentral erfolgen, um so eine effektiveren Bereitstellung und Verteilung von Strom zu ermöglichen. Europaweit wird geforscht und investiert, so dass die Smart Grids bereits in den kommenden Jahren europaweit realisiert sein könnten.

Kommunikation schafft Unsicherheit

Doch umso pünktlicher und bedarfsgerechter der Strom erzeugt werdensoll, desto mehr Informationen werden benötigt. Netznutzer, wie Haushalte und Unternehmen, und Netzbetreiber müssen zur optimierten Stromerzeugung viele Informationen „privater Natur“ sammeln und austauschen. Zusätzlich steht eine weitaus höhere Automatisierung des Stromnetzes auf dem Plan. Die daraus entstehenden Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen machen dem TÜV SÜD jedoch noch zu schaffen.

Hochspannung bei den Kritikern

So sieht Dr. Kai Strübbe vom TÜV SÜD AGS mit der Einführung der Smart Grids eine Gefahr in der fehlenden IT Sicherheit. Mit den intelligenten und kommunikationsfähigen Smart Grids werden private Verbraucher angreifbar und Unternehmen ausspionierbar. Nicht nur feindliche Attacken auf bestimmte Unternehmen und Verbraucher sieht der TÜV SÜD, sondern unter Umständen sogar den Zusammenbruch der gesamten Versorgungsinfrastruktur des Landes. Der TÜV Süd stellte auf der Hannover-Messe seine Studie zur Einführung der Smart Grid Technologie vor, die zu folgendem Ergebnis kam: „Die Energiewirtschaft und das produzierende Gewerbe unterschätzen das Risikopotenzial, das in der Modernisierung der Stromnetze steckt“.

Stromanbieter setzen auf die Sicherung

Diese Einschätzung des TÜV SÜD teilen jedoch nicht alle. 57 Prozent der großen Energieversorger sehen sich gegen vermeintliche Attacken gut geschützt, ebenso wie 54 Prozent der befragten Stadtwerke. Auch wenn Schadsoftware und Hackerangriffe bereits im neuen Energiewendenetz befürchtet werden, so ist die Zuversicht in die Smart Grid Technologie grundsätzlich hoch. Doch Krankenhäuser und die produzierende Industrie, wie etwa die auf Kühlung angewiesene Lebensmittelindustrie, könnten bei einem dauerhaften landesweiten Stromausfall durch Hacker natürlich große Schäden erleiden.

Mit Grids zur dezentralen Stromerzeugung

Die derzeitigen Stromnetze verteilen den zentral erzeugten Strom nach vorgegebenen Plänen in die Stromnetze. Smart Grids, die intelligenten Grid Systeme, die in den nächsten fünf Jahren des Stromnetz revolutionieren sollen, machen eine sinnvolle Nutzung und Speicherung von Strom möglich. Während die durch natürliche Ressourcen wie Sonne und Wind erzeugte Energie starken natürlichen Schwankungen unterliegt, werden mit Smart Grids genau diese Nachteile aufgehoben.

„Frag den Toaster!“

Die Smart Grids sind mit den Stromverbrauchern der Netzteilnehmer verbunden und können so den Verbraucher informieren, wenn der Strom gerade günstig ist. Wird gerade besonders viel produziert, so fällt auch der Strompreis – nicht monatlich, sondern vielleicht sogar stündlich. Der Verbraucher kann, muss aber natürlich nicht reagieren und seine Aktivitäten, wie etwa die kostspielige Kochwäsche genau dann einplanen, wenn das Smart Grid mit Sonderangeboten winkt.

Deutschland investiert in Smart Grids

Wie die Europäische Kommission Ende April veröffentlicht, gehört Deutschland zu den größten Investoren in die intelligenten Stromnetze. Neben dem Vereinigten Königreich (15 Prozent) und sind Frankreich und Deutschland mit je 12 Prozent an der Investitionssumme von 1,8 Milliarden Euro beteiligt. Private Investoren sind mit knapp 50 Prozent beteiligt. Problematisch wird von den privaten Investoren vor allem die Unsicherheit des Geschäftsmodells erachtet sowie die Verteilung von Gewinnen und Kosten der Investition.

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