Psychische und soziale Probleme durch Training des Urteilsvermögens überwinden

Es ist ein Phänomen, das sich in allen Industrieländern beobachten lässt: Der zunehmende Individualisierungsprozess des Menschen und die damit verbundenen Herausforderungen überfordert immer mehr Menschen und lässt sie in Selbstüberschätzung und Eitelkeit auf der einen Seite oder Stress, Selbstzweifel und Depression auf der anderen Seite stürzen. Starke soziale Probleme gehen damit einher.

Psychische und soziale Probleme durch Training des Urteilsvermögens überwindenDer Grund liegt häufig in der fehlenden psychologischen Selbsteinschätzung der Menschen, die in den Bildungssystemen nicht ausreichend vermittelt wird. Schon einfache Erkenntnisse aus der psychologischen Wissenschaft können über viele Probleme hinweghelfen.

Selbstreflexion als Grundstein zu angemessenen Verhaltensweisen

Als Hauptgrund sozialer Fehlentwicklungen ist die mangelnde Fähigkeit zur korrekten Selbstreflexion anzunehmen. Die meisten Menschen neigen zur allgemeinen Überschätzung ihrer Fähigkeiten und lassen den kritischen Blick auf ihr Handeln vermissen. Studien haben gezeigt, dass über 90 Prozent der Menschen ihre eigene Handlung deutlich positiver bewerten, als eine identische Handlung eines anderen Menschen. Entscheidend ist hierbei der Prozess der Selbstrechtfertigung. Tendenziell sucht der Mensch stets primär nach Gründen, die sein Handeln rechtfertigen, als nach solchen, die es in Frage stellen würden, wodurch eine objektive Beurteilung des eigenen Handelns erschwert wird. Dies ändert sich auch bei Menschen mit geringem Selbstbewusstsein nicht. Der Prozess der korrekten Selbstbewertung wird hier durch eine Abwehrhaltung gegen die Meinung anderer verstärkt. Er spielt sich jedoch nur auf der Oberfläche ab; tatsächlich fehlt es hier an Vertrauen in die eigene Urteilsfähigkeit, im Inneren ist das Vertrauen zur eigenen Handlung tief zerrüttet und auch positivem Feedback wird kein Glauben mehr geschenkt.

So lässt sich der Prozess beeinflussen

Gegen den Prozess der eigenen Überschätzung oder den Verlust des Vertrauens in die eigene Selbstbewertung lässt sich bewusst gegensteuern. Generell ist zu empfehlen, die eigenen Handlungen bewusst aus einem objektiven Standpunkt und gegebenenfalls aus dem Standpunkt einer anderen Person zu beleuchten. Konsequent kann sich dabei die Frage gestellt werden, wie man selber die eigene Handlung bewerten würde, wenn sie von einer anderen Person verübt würde. Für Personen mit Selbstbewussteinsproblemen hilft es häufig, die Gründe für das eigene Handeln zu hinterfragen. Oft ergibt sich dadurch ein angemessenes Motiv, das die zuvor vielleicht fragwürdige Handlung oder Leistung rechtfertigt. Wer diesen Prozess konsequent bei jeder Handlung betreibt, wird schon bald automatisch eine gesteigerte Fähigkeit zur objektiven Selbstreflexion gewinnen.

Objektivität beugt Konflikte vor

Die Qualität zur eigenen Einschätzung fehlt ebenso bei der Einschätzung anderer Personen. Hier ist die Urteilsbildung stark von dem eigenen Bild der betreffenden Person abhängig. Ebenso fehlt der Einblick in die Handlungsmotive anderer Personen. Es kommt häufig vor, dass Menschen anderen Personen Dinge vorwerfen, die sie in der entsprechenden Situation möglicherweise selber getan hätten. Als vereinfachtes Beispiel bedeutet dies, dass Sie es einem verhassten Kollegen wohl übel nehmen würden, wenn er seine private Beziehung zum Chef für eine Beförderung nutzt. Ständen Sie dem Chef hingegen selbst näher, würden Sie dies wahrscheinlich ebenso zu Ihrem Vorteil nutzen. Daran denken Sie bei der Beurteilung des verhassten Kollegens jedoch nicht. Es kommt zum Streit aufgrund eines eigentlich nachvollziehbaren Verhaltens. Wer sich hier angewöhnt, das Verhalten fremder auf seine Motive zu untersuchen und mit seinem eigenen Verhalten abzugleichen, wird schnell die meisten Konfliktsituationen im Alltagsleben als unnötig enttarnen.

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