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Die Behandlung psychisch kranker Menschen glich während der Zeit des Altertums der körperlich Erkrankter. Aderlässe, das Schröpfen und Diäten gehörten damals zu den verbreiteten Behandlungsmethoden. Im 12. Jahrhundert wurden die ersten Anstalten für Geisteskranke eingerichtet. Die dort herrschenden Zustände waren sehr unterschiedlich, von der reinen Verwahranstalt, bis zu Einrichtungen, in denen die Kranken gut gepflegt wurden, war alles vertreten.



Die Psychiatrie: Vom Altertum bis zur modernen WissenschaftDramatisch verschlechterte sich die Situation psychisch Kranker vom 15. bis zum 17. Jahrhundert. Es herrschte der Glaube die Krankheitssymptome werden vom Teufel verursacht und viele Kranken fielen der Inquisition zum Opfer und wurden gefoltert und verbrannt. Ab dem 17. Jahrhundert folgte die Einrichtung von Spitälern, in Deutschland wurden sie „Zuchthäuser“ genannt. Dort wurden psychisch Kranke angekettet, neben Prostituierten und Kriminellen untergebracht, zur Arbeit gezwungen und misshandelt. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Psychiatrie zur akademischen Wissenschaft.

Wegweisend für die Einführung einer gewaltfreien Behandlung psychisch Kranker war der britische Arzt John Conolly. Sein 1865 veröffentlichtes Werk „Treatment of the insane without mechanical restraints“ sorgte für Aufsehen und Connolly hatte mit massivem Widerstand seitens der Ärzteschaft zu kämpfen. Einer der ersten Psychiater der die Methode der gewaltfreien Behandlung in Deutschland einsetzte war Wilhelm Griesinger. Er erlernte diese neue Art der Behandlung bei einem Aufenthalt in England und brachte sie erst nach Zürich und dann nach Berlin. Schon bald schlossen sich viele Psychiater an und zur besseren Versorgung der Kranken wurden die sogenannten „Stadtasyle“ gegründet. Die neuen Versorgungseinrichtungen sorgten für eine kürzere Verweildauer der Patienten und ermöglichte vielen auch einen Aufenthalt in der Nähe ihrer Wohnorte. Auch der österreichische Arzt und Psychologe Siegmund Freud sorgte dafür, dass das Gebiet der Psychiatrie ein anerkannter Bereich der Wissenschaften wurde. Seine Theorien und Methoden erlaubten erstmals eine Deutung der Krankheitsbilder, das Stigma „psychisch krank“ wurde durch die umfangreichen Forschungen Freuds geringer. Trotzdem gab es in den 1930er Jahren einen Rückschritt auf dem Gebiet der Behandlung psychisch Kranker. Die neu eingeführten Behandlungsmethoden wie Insulin- oder Elektroschock waren sehr brutal und führten nicht zum gewünschten Erfolg. Noch schlechter erging es Psychiatriepatienten während der Zeit der Herrschaft der Nationalsozialisten. Als „unwertes Leben“ geschmäht fielen zahlreiche psychisch Kranke den Nazis zum Opfer und wurden getötet. Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die Situation der Kranken in den Pflegeeinrichtungen nicht optimal. Zu wenig Ärzte für zu viele Kranke sorgten für den massenhaften Einsatz lediglich ruhigstellender Psychopharmaka. Viele Patienten wurden auch in dieser Zeit lediglich verwahrt und bekamen keine sinnvolle Behandlung.

Der Durchbruch für die moderne Psychiatrie des 21. Jahrhunderts kam in den 1970er Jahren. Beeinflusst durch das Gedankengut der 68er entstanden neue ambulante Therapiemöglichkeiten und auch moderne Gruppentherapien, fanden Einzug in die Behandlung psychisch Kranker. Dank modernster wissenschaftlicher Forschungsmethoden hat sich die Aussicht auf erfolgreiche Behandlung der Psychiatriepatienten seitdem weiter deutlich verbessert. Durch die Verwendung der Gentechnologie werden die biologischen Ursachen psychischer Erkrankungen wie Schizophrenie erforscht. Dadurch können Erkrankungen diagnostiziert werden, bevor es zu klinischen Symptomen kommt und die Behandlung kann rechtzeitig und gezielt begonnen werden. Die Aussichten auf Heilung haben sich durch diese Methoden deutlich verbessert.

Bild © djma – Fotolia.com




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