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Das Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum, WEF) ist eigentlich eine in Cologny (Kanton Genf) ansässige gemeinnützige Stiftung, der alljährliche Wirtschaftsgipfel in Davos ist nur ihre bekannteste Veranstaltung.



Weltwirtschaftsforum Davos 2012Erstmals fand sie 1971 auf Initiative des Schweizer Professors Klaus Schwab (eines gebürtigen Deutschen) statt, die ursprüngliche Intention war das bessere Verständnis amerikanischer Managementpraktiken durch europäische Führungskräfte. Von Anfang an übernahm die Europäische Kommission gemeinsam mit Industrieverbänden die Schirmherrschaft.

Intentionen des Weltwirtschaftsforums

Abseits aller Kapitalismuskritik, die zum Ritual in Davos gehört, ist der von Professor Schwab entwickelte Managementansatz, Stakeholder in die wirtschaftliche Planung mit einzubeziehen, eigentlich sehr fortschrittlich. Zwar wird vom Erfolg eines Unternehmens ausgegangen, es handelt sich um eine Veranstaltung der Wirtschaft. Dieser Erfolg ist jedoch ohne die Berücksichtigung von Interessen der Mitarbeiter und der Staaten, Länder und Gemeinden nicht zu realisieren. Auch umwelt- und geopolitische Aspekte wurden auf dem Gipfel schon immer diskutiert. Seit 1974 nehmen führende Politiker am Gipfeltreffen teil, sie nutzen das Treffen für die Beilegung von Konflikten. Hier wurden entscheidende Erfolge erzielt, 1988 wurde ein Krieg zwischen der Türkei und Griechenland verhindert, 1992 traten südafrikanische Politiker erstmals außerhalb ihres Kontinentes auf, 1994 unterzeichneten Shimon Peres (Israel) und Jassir Arafat (Palästina) in Davos den Vertragsentwurf über Jericho und Gaza. Auch Wirtschaftsexperten, Journalisten und Wissenschaftler verschiedenster Bereiche nehmen am Gipfel teil, es werden die drängendsten wirtschaftlichen, sozialen und umweltpolitischen Belange verhandelt. Das Forum selbst hat rund 1000 Mitgliedsunternehmen, die für die Finanzierung sorgen. Es handelt sich hierbei um global agierende Firmen mit Jahresumsätzen ab etwa 5 Milliarden US-Dollar, die in ihren Branchen eine Spitzenposition einnehmen.

Kapitalismuskritik 2012 in Davos

Beim Wirtschaftsgipfel vom 25. bis 29. Januar 2012 dominierte Kritik am gegenwärtigen Zustand des Kapitalismus, selbst Gründer Klaus Schwab äußerte sich verständnisvoll hinsichtlich der vorgetragenen Argumente von Systemgegnern. Manchen Manager erwischte das kalt, zumal die Frage im Raum steht, wie verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen sei. Darüber hinaus sind die Beteiligten der Wirtschaft davon überzeugt, dass es ein besseres System nicht geben kann, um Wohlstand in entwickelten und die Überwindung von bitterer Armut in unterentwickelten Ländern zu erreichen. Es regte sich verstohlener Widerspruch an den Statements von Professor Klaus Schwab, offen zu widersprechen wagte jedoch niemand. „Ein bisschen veraltet“ hatte Schwab den Kapitalismus genannt, er passe wohl nicht mehr recht in die Welt. Das kann man aus unterschiedlichsten Blickwinkeln interpretieren. Klaus Schwab, Jahrgang 1938, hat immerhin in seiner aktiven Berufszeit über ein halbes Jahrhundert Systemgeschichte erlebt und in seiner Eigenschaft als Wirtschaftsprofessor auch beschrieben. Der Ball wurde nicht von den Managern, sondern von Gewerkschaftsvertretern aufgegriffen, etwa der Australierin Sharan Burrow, Generalsekretärin des ITUC (Internationaler Gewerkschaftsbund). Die Vertreterin von 175 Millionen Arbeitnehmern auf der ganzen Welt sprach von gebrochenen Versprechen, welche der Kapitalismus hinterlassen habe, die Wohlstandsverteilung sei seit den 1980er Jahren drastisch ungerechter geworden. Junge Menschen hätten in vielen Ländern keine ökonomische Chance mehr, das Wirtschaftsmodell untergrabe sich selbst. Dies werde zu sozialen Unruhen führen.

Angela Merkel in Davos 2012

Die deutsche Bundeskanzlerin hingegen hält am bestehenden System fest und verteidigte es vehement auf dem Gipfel. Gleichzeitig warnte sie vor einer Schwächung solider Volkswirtschaften wie der deutschen und weiteren Angriffen der Finanzmärkte auf die Währungsstabilität des Euro. Merkel sprach in diesem Zusammenhang von der „offenen Flanke“ Europas. Euro-Hilfen sollten an konkrete Auflagen geknüpft werden, eine Vervielfachung des Rettungsschirms ESM lehnte sie ab. Das könne nicht glaubwürdig sein und würde die Märkte auch nicht beruhigen, so Merkel in Davos.

Bild © Huebi – Fotolia.com




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