Unbezahlbarer Strom: Nebenwirkungen des Umstiegs auf erneuerbare Energien

Strom wird immer teurer. Die Zahl der Menschen in Deutschland, die ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können, steigt stetig an. Ein Ende des Energiepreis-Hochs ist gleichzeitig nicht in Sicht. Die Preise klettern unaufhörlich weiter. Die Gründe dafür sind vielfältig und mit der Förderung alternativer Energien im Rahmen der Energiewende verbunden.

Unbezahlbarer Strom: Nebenwirkungen des Umstiegs auf erneuerbare EnergienSteigende Energiekosten bei niedrigem Einkommen

600.000 Haushalte pro Jahr werden aufgrund unbezahlter Rechnungen vom Stromnetz genommen, die Bewohner können sich die steigenden Energiekosten einfach nicht mehr leisten. Vor allem bei niedrigen Einkommen wirken sich die hohen Stromkosten verheerend aus. Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbandes VdK, spricht von 10- 15% der Bevölkerung, die mit den hohen Energiekosten immer schwerer zurande kommen. Sie wirft deshalb der Bundesregierung vor, „die soziale Dimension“ bei der Energiewende vernachlässigt zu haben. Von den steigenden Stromkosten am meisten betroffen sind Rentner und Menschen mit geringem Einkommen. Hartz IV Bezieher hingegen erhalten zumindest Unterstützung bei der Finanzierung der Heizkosten. Aus dem früheren Randphänomen „Energiearmut“ ist ein Alltagsproblem geworden, das immer mehr Menschen betrifft.

Hintergründe des Strompreisanstiegs

Nachdem Strom im Jahr 2011 um rund zehn Prozent teurer wurde, soll sich der Trend in diesem Jahr fortsetzen. Schon rund 400 Energieversorger wollen 2012 ihre Preise um ca. 3,5 Prozent erhöhen, oder haben es bereits getan. Rechnet man die höheren Netzentgelte und eine wahrscheinliche Steigerung der EEG-Umlage hinzu, müssen Verbraucher mit einer Preiserhöhung von 4,6 Prozent rechnen. Die EEG-Umlage dient der Subvention von Ökostrom und soll im Jahr 2013 noch weiter deutlich erhöht werden. Gründe für die steigenden Energiekosten sind im forcierten Ausbau erneuerbarer Energien zu suchen. Ein Umstieg auf Strom aus erneuerbaren Energien ist langfristig natürlich wünschenswert und im Interesse aller Verbraucher. Kurzfristig jedoch scheint die große Menge an Ökostrom die Stromversorgung zu gefährden. Aufgrund der großzügigen staatlichen Förderung werden die Kohle- und Gaskraftwerke verfrüht durch erneuerbare Energien aus dem Netz gedrängt. Der Ökostrom kann jedoch die Grundversorgung noch nicht gewährleisten.

Subventionierter Öko-Strom

Die hohen Subventionen ziehen eine Reihe von Problemen nach sich und können sinnvolle Innovationen verhindern. Forschung und Entwicklung werden blockiert, wenn sich auch unrentable Module aufgrund der Beihilfen wie von selbst verkaufen. Die EEG-Umlage war ursprünglich als Starthilfe für die Anbieter von Ökostrom gedacht, die aber mittlerweile immerhin 20% des Stroms in Deutschland liefern. Strom aus erneuerbaren Energien kommt mit diesem Marktanteil in Deutschland gleich nach der Braunkohle auf Platz zwei. Die Subventionen gehen aber trotzdem weiter und belaufen sich an diesem Jahr auf ungefähr 17,6 Milliarden Euro, obwohl der Wert des erzeugten Stroms weit darunter liegt. Der Konsument muss diese Differenz bezahlen. Bei der Einspeisung ins Stromnetz hat Ökostrom Vorrang und droht dadurch, Kohle- und Gaskraftwerke zu verdrängen. Denn sie müssen am Netz sein, um ihre Kosten wieder hereinzubringen. Ein vorzeitiges Abschalten konventioneller Kraftwerke kann also zu einer Gefährdung der Grundversorgung führen.

Schwieriger Umstieg

Am Umstieg auf erneuerbare Energien führt langfristig kein Weg vorbei. Es stellt sich aber die Frage, wie diese Phase am sinnvollsten gestaltet werden kann. Umweltschutz auf Kosten der sozial Schwächsten kann nicht das Ziel der Regierung sein. Selbstverständlich handelt es sich um eine schwierige Gradwanderung zwischen Umweltschutz und sozialen Überlegungen. Es wäre aber wünschenswert, wenn die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen von Fördermaßnahmen schon im Vorfeld gründlich untersucht würden.

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