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Die Eurokrise mit Griechenland an der Spitze kommt zu einem neuen und nicht weniger abstrusen Highlight. Wie die Europäische Zentralbank EZB bereits letzten Freitag ankündigte, werden seit Mittwoch, dem 25. Juli keine griechischen Staatsanleihen mehr akzeptiert, um im Gegenzug die griechischen Banken mit Geld zu versorgen. Auslöser ist die anhaltende Diskussion um einen Austritt der Griechen aus der Währungszone. Denn dann wären die griechischen Anleihen tatsächlich erst einmal nichts mehr wert. Aufgrund des vertraglichen Aufbaus der Währungsunion ist Griechenland daher in der Lage, sich seine benötigten Euros praktisch selbst zu drucken.



Griechenland: wenn die EZB keine Staatsanleihen mehr annimmtELA oder das Recht, Geld selber drucken zu dürfen

Der Hintergrund der Meldung der EZB hört sich nicht nur plausibel an, es ist sogar durchaus zu erkennen, dass es unter anderem darum geht, den Euro zu schützen und damit auch stabil zu halten. Allerdings greifen dadurch einige Mechanismen, wodurch es den Eindruck erweckt, dass der Schuss für die Europäische Zentralbank eigentlich nach hinten losgeht. Im Vertragswerk implementiert ist ein Mechanismus, der es Staaten unter Voraussetzungen wie den gegebenen gestattet, dass deren Notenbanken den Geldinstituten Refinanzierungskredite zukommen lassen dürfen. Dieses Notfall-Programm trägt den Namen „Emergency Liquidity Assistance“, kurz ELA. Dahinter stecken jedoch keinerlei Finanzspritzen wie beispielsweise aus den Rettungsschirmen, vielmehr ist es das Recht der nationalen Notenbanken, diese Gelder bereitstellen zu dürfen. Etwas lapidar ausgedrückt kann man durchaus sagen, Griechenland druckt sich nun seine Euro einfach selbst.

Griechenland versorgt sich selbst

Das Pikante daran ist, dass jetzt ebenso bekannt wurde, dass das nicht das erste Mal ist, dass die Griechen kein Geld mehr von der EZB bekommen hatten. Teilweise hat Griechenland so in der jüngeren Vergangenheit sämtliche notwendigen liquiden Geldmittel zur Verfügung gestellt. Die Zahlen dazu vermitteln erst die Größenordnung, um die es dabei geht: im Juni betrugen die benötigten Liquiditätsmittel Athens rund 136 Milliarden Euro. Während 74 Millionen über die EZB bezogen wurden, kamen circa 62 Milliarden von der griechischen Notenbank. Bereits im März sollen laut Aussagen der BayernLB nahezu sämtliche benötigten Mittel auf diesem Weg beschafft worden sein, genauso wie im Mai: 124 Milliarden Euro stellte die nationale Notenbank zur Verfügung, während die Europäische Zentralbank lediglich 3,5 Milliarden Euro zuschießen musste.

Der Euro wird weicher, eine höhere Inflation wahrscheinlicher

Zwar mag das für Griechenland derzeit nicht nur der einzige Weg sein, sondern eben auch ein äußerst praktischer. Das dafür aber auf dem Rücken der gesamten Währungsunion. Viele wissen um die große Wirtschaftskrise Anfang des 20. Jahrhunderts und was daraus resultierend passieren kann, wenn zu viel Geld gedruckt wird – die Währung wird aufgeweicht und die Inflation aufgeheizt. Im aktuell schlimmsten Fall könnte das einen weiteren Verfall der europäischen Gemeinschaftswährung bedeuten. Die Leidtragenden wären dann alle Länder. Auch müssen die anderen Länder aus diesem Grund zusehen, dass der Euro eben nicht aufgeweicht wird. Es ist also nicht verwunderlich, dass die Stimmen, die einen Austritt Griechenlands wenigstens aus der Währungsunion fordern, nicht nur immer lauter werden, sondern bei der Bevölkerung immer größeren Anklang finden.

Bild © moonrun – Fotolia.com




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