Kein Hawk Eye für die Bundesliga

Die Regeln für den internationalen Fußball legt die Fifa ganz allein fest. Nur selten dürfen die nationalen Verbände eigenständig Entscheidungen treffen, wie jetzt zur Einführung der Torlinientechnik. Heute trafen sich die 36 Mitglieder der Deutschen Fußball Liga in Frankfurt, um den Kurs für die beiden höchsten Spielklassen festzulegen. Zur großen Überraschung lehnten die Vereine mit einem klaren Votum technische Hilfen zur Unterstützung der Schiedsrichter-Entscheidung ab.

BundesligaWenig Zustimmung für Torlinientechnik

Vier lizenzierte Systeme standen zur Wahl, von denen zwei kamerabasiert arbeiten. Doch das klare Abstimmungsergebnis gleich zu Beginn der Sitzung machte jede Diskussion überflüssig. Von den Erstligisten votierten neun gegen und neun für die Torlinientechnik, bei den Zweitligisten waren nur drei Vereine zum Kauf eines Systems bereit. Damit ist nach Einschätzung von DFL-Sprecher Rettig das Thema erst einmal vom Tisch. Er erwartet in absehbarer Zeit keinen neuen Antrag auf Einführung dieser Technik, die unter anderem von den deutschen Spitzenreferees einhellig befürwortet wurde. Die heißen Debatten um Tor oder nicht Tor bleiben deutschen Sportreportern und Stammtischen also erhalten.

Andere Länder sind weiter

Mehrere nationale Verbände haben sich schon im letzten Jahr für eigene Lösungen entschieden. Seit Beginn der Saison überwacht das Hawk Eye die Torräume der Premier League in Großbritannien. Bei der WM in Brasilien unterstützt Goal Control, ein ähnliches System, die Schiedsrichter. In Spanien und Italien sind bei den Spielen zusätzliche Torrichter im Einsatz. Eine Variante, die von den deutschen Spitzenfunktionären grundsätzlich als wenig effektiv abgelehnt wird. Über die Gründe, warum sich heute die Traditionalisten durchsetzen konnten, wurde vom Verband offiziell nichts kommuniziert. Doch ist zu vermuten, dass die hohen Kosten zumindest für die Zweitligisten ausschlaggebend waren. 500 000 Euro kostet eine Torlinientechnik, wie sie in England eingesetzt wird. Dazu kommt der Chip im Ball, der mit 250 000 Euro zu Buche schlägt.

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