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Jedes Jahr kürt eine Jury von unabhängigen Sprachwissenschaftlern ein Unwort des Jahres. Die Entscheidung, das Wort „Sozialtourismus“ zum Unwort des Jahres 2013 zu erklären kam überraschend, traf aber auf große Zustimmung.



UnwortMit der Aktion „Unwort des Jahres“ sollen das Sprachbewusstsein sowie die Sprachsensibilität in der Bevölkerung gefördert werden. Sie lenkt den Blick auf Formulierungen in allen Feldern der öffentlichen Kommunikation. Zu Unwörtern werden Begriffe erklärt, die gegen die Menschenwürde oder die Demokratie verstoßen, auch Ausdrücke, welche geeignet sind, gesellschaftliche Gruppen zu diskriminieren beziehungsweise euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend sind, können zu Unwörtern erklärt werden.

Alle Deutschen haben die Möglichkeit Worte vorzuschlagen, wobei die Jury eigenständig entscheidet, die Häufigkeit mit der ein Wort vorgeschlagen wird, hat keinen Einfluss auf die Entscheidung der Jury. Diese setzt sich aus 4 Sprachwissenschaftlern, einem Journalisten und einem jährlich wechselnden weiteren Mitglied, zusammen. Bereits im Jahr 2012 zeigte sich, dass auch weniger genannte Wörter zum Unwort des Jahres werden können. Das Wort „Opfer-Abo“ wurde zum Unwort, obwohl es nur ein einziges Mal vorgeschlagen wurde, da es Frauen unter den Pauschalverdacht stellt, sexuelle Übergriffe zu erfinden. Auch der Begriff „Sozialtourismus“ wurde unter 1470 Nennungen nur dreimal vorgeschlagen. Wie die Sprecherin der Jury, Prof. Dr. Nina Janich, erklärte, habe die Kommission vier bis fünf Stunden benötigt, um die notwendige einstimmige Entscheidung herbeizuführen.

Die breite Zustimmung zu dieser Entscheidung sei nach Meinung der Sprachwissenschaftler verständlich, denn das Wort erfüllt mehrere Kriterien, die ein Wort zu einem Unwort machen. Es ist geeignet, gezielt Stimmung gegen unerwünschte Zuwanderer aus Osteuropa zu machen und diskriminiert daher Menschen, die aus purer Not nach Deutschland reisen. Zusätzlich verschleiert es die Tatsache, dass diese ein prinzipielles Recht zum Zuzug haben. Die Gleichsetzung dieser, durch Armut ausgelösten, Bewegung mit einer touristischen Vergnügungsreise wird als besonders perfide angesehen.

Bild © Frofoto – Fotolia.com




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