Private Haushalte zahlen für nicht eingespeisten Strom

Die Kosten für die Energiewende steigen kontinuierlich an und belasten den privaten Verbraucher schon jetzt überproportional. Nun wird ihm die Rechnung für einen weiteren Posten präsentiert. Durch das Fehlen ausreichend belastbarer Stromnetze konnten 2011 407 Gigawattstunden (GWh) Ökostrom nicht eingespeist werden. Für diesen Ausfall beanspruchen die Produzenten Entschädigungen, die laut Gesetz von den privaten Stromkunden gezahlt werden müssen.

Private Haushalte zahlen für nicht eingespeisten StromDas Netz ist schwankenden Einspeisungsmengen nicht gewachsen

Die Fertigstellung von Produktionsanlagen für umweltfreundlich erzeugten Strom gelingt schneller als erwartet. Der Ausbau der Netze kann mit dieser Entwicklung allerdings nicht mithalten. Immer wieder müssen deshalb Windparks abgeschaltet werden, um nicht die Netzsicherheit durch zu hohe Einspeisungen zu gefährden. Betroffen von diesen Maßnahmen sind hauptsächlich Anlagen im Norden der Republik. Für diese Situation vereinbarte die Bundesregierung mit den Erzeugern Ausfallzahlungen. Sie sind für das Jahr 2011 drastisch gestiegen, da sich die Zahl der Abschaltungen um etwa 300 Prozent erhöhte. Erst wenn alle überprüft und eventuell als entschädigungswürdig gewertet sind, stehen die genauen Kosten fest. Nach Schätzungen der Windbranche belaufen sie sich auf 18 bis 35 Millionen Euro.

Weitere Investitionen in Milliardenhöhe sind unvermeidlich

Gingen 2010 noch 150 GWh verloren, waren es 2011 schon 407 GWh. Das entspricht dem Jahresverbrauch von 116 000 Haushalten. Um weitere Verluste in dieser Größenordnung zu verhindern, wird der Bau der sogenannten Stromautobahnen vom Norden in den Süden der Republik erneut forciert. Hatten Experten in der Vergangenheit diese Bauten als teuerste Komponente der Energiewende im Blick, ändern die nun aufgetretenen Probleme ihre Sichtweise. Auch wichtige Netze auf regionaler Ebene haben sich als unzureichend erwiesen. Insgesamt sind nach aktuellen Analysen in den nächsten 20 Jahren mehr als 200 000 Kilometer Stromnetz zu erneuern, um den Belastungen genügen zu können. Die Kosten dafür werden auf etwa 40 Milliarden Euro geschätzt. Die Finanzierung dieser Investitionen ist bisher noch nicht geklärt.

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