Costa Concordia: Der Kapitän, der nicht untergehen wollte

Das Schiffsunglück des Kreuzfahrtliners „Costa Concordia“ nahe der italienischen Hafenstadt Livarno wirft ein immer schlechteres Licht auf Kapitän Francesco Schettino. Dieser hatte das Schiff offenbar bereits verlassen, als dort noch Passagiere und Besatzungsmitglieder um ihr Leben kämpften.

Costa Concordia: Der Kapitän, der nicht untergehen wollte„Gehen Sie verdammt nochmal an Bord! Dies ist ein Befehl!“

Diesen Schluss legt ein Telefonmitschnitt zwischen der italienischen Küstenwache und dem Kapitän des havarierten Schiffs nahe, welcher von den italienischen Medien veröffentlicht wurde. Hafenkommandant Gregorio Maria De Falco brüllt auf diesem Schettino an, er müsse sofort wieder an Bord gehen und von dort den Rettungseinsatz koordinieren. Wiederholt fällt der Satz, dies sei ein Befehl. Wenn er nicht sofort wieder auf sein Schiff zurückginge, werde er dafür sorgen, dass Schettino „wirklich große Schwierigkeiten“ bekomme, droht De Falco, aber offenbar ohne jeden Erfolg. Der Kapitän des Schiffs wirkt abwesend und kühl. Fast beiläufig erkundigt er sich auf den Kommentar De Falcos hin, es gebe schon Leichen, wie viele es denn seien.

Anklage wegen fahrlässiger Tötung

Der Vorwurf, er habe Passagiere und Besatzung im Stich gelassen, ist nur der jüngste einer ganzen Reihe schwerer Anschuldigungen, die gegen den Kapitän erhoben werden. Die Reederei der „Costa Concordia“ wirft Schettino vor, dieser habe eigenmächtig die Route geändert. Die Besatzung berichtet, es sei die Entscheidung des Kapitäns gewesen, das Schiff so nahe an die Felsen zu navigieren, was schließlich zur Katastrophe führte. Abgeordnete in Rom forderten, nachdem das Telefonat zwischen dem Kapitän und dem Hafenkommandanten öffentlich wurde, Schettino müsse sich einem Drogentest unterziehen. Dieser ist mittlerweile unter Hausarrest gestellt. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen fahrlässiger Tötung in mindestens elf Fällen erhoben. Dies ist die Zahl der Leichen, welche bislang gefunden worden sind. Allerdings werden weiterhin 20 Menschen vermisst. Die Retter haben kaum noch Hoffnung, diese lebend zu bergen, doch noch wolle man ein „Wunder“ glauben, heißt es aus den Kreisen der Bergungstrupps.

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