Viel Tun ums Nichtstun: Wenn Kinder sich langweilen

Langeweile hat einen schlechten Ruf. Ausdrücke wie ,,vor Langeweile sterben“ sind dabei wenig hilfreich. Wenn Kinder sich langweilen wollen wir ihnen dabei helfen, eine sinnvolle Beschäftigung zu finden. In Schule und Freizeit ist Langeweile nicht gern gesehen, denn schließlich sind die ersten Jahre eines Menschenlebens wertvolle Lernzeit, in der Talente entdeckt und entfaltet werden sollen.

Viel Tun ums Nichtstun: Wenn Kinder sich langweilen - LangeweileKinder, die sich langweilen werden in der Schule als unterfordert angesehen. Gute Lehrer schaffen es, ihre Schüler ständig zu fordern, um einen maximalen Lernerfolg zu erreichen. Das Freizeitangebot für Kinder ist ebenfalls riesig. Eltern, die es nicht nutzen, stehen im Verdacht, sich zu wenig für die optimale Förderung ihrer Kinder zu interessieren. Die geschickt geplante Freizeit erlaubt dem Nachwuchs dahingegen eine frühe Musikerziehung oder eröffnet Möglichkeiten zu einer sportlichen Karriere. Eine langweilige Kindheit darf nicht sein.

Keine Zeit für Langeweile

Die moderne Arbeitswelt und Freizeitindustrie lassen wenig Zeit fürs Nichtstun zu. Auf der einen Seite ist Zeit Geld und deshalb unbedingt und jederzeit effektiv zu nutzen. Auf der anderen Seite prägen große Firmen Begriffe wie ,,Mikro-Langeweile“, die sie uns helfen zu bekämpfen, indem sie immer mehr elektronische Spielereien für unterwegs auf Handy und Co. erfinden. Es muss sich heute niemand mehr langweilen. Auch dann nicht, wenn er auf den Bus wartet. Mobiles Internet lassen uns jederzeit in Kontakt mit anderen bleiben, so dass freie Zeitfenster sinnvoll mit sozialen Netzwerken, fernsehen oder kleinen Spielen gefüllt werden können.

Am Anfang war die Langeweile

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt einen wahren Schatz an Zitaten großer Denker, die sich auf die Langweile beziehen. Goethes Ausruf ,,Langeweile! Du bist die Mutter der Musen“ oder Max Frisch Feststellung ,,Geist ist die Voraussetzung der Langeweile“ lassen erkennen, dass das Nichtstun oder der Müßiggang auch als wichtiger Bestandteil des geistigen Lebens begriffen werden können. Langweile schafft freie Zeit im Kopf. Zeit, in der die Gedanken auf Wanderschaft gehen und Erlebnisse des eigenen Lebens überdacht werden können. Unter Umständen entstehen dabei neue Ideen, die Fantasie und Kreativität anspornen. Ohne Langweile wären viele Geschichten, Romane oder Filme sicher nicht möglich gewesen und auch Erfindungen brauchen Zeit, in der sie durchdacht werden können.

Ein bisschen Langeweile darf ruhig sein

Für Kinder bietet Langeweile eine Möglichkeit zu lernen, sich selbst zu beschäftigen. Wem nicht ständig durch Stundenpläne vorgegeben ist, welche Tätigkeit als nächstes folgt, der hat die Chance sich selbst eine zu wählen. Das selbstständige Suchen nach und die Entscheidung für eine Beschäftigung fördern den Geist und die Intelligenz des Kindes. Kinder, die sich langweilen suchen oftmals auch nur die Aufmerksamkeit eines anderen. Der bewusste Umgang mit Langeweile kann hier sehr förderlich sein. Wenn Eltern und Kinder darüber sprechen, was sie langweilt oder wie Langeweile sich anfühlt, ist der erste Schritt zu einer neuen Idee bereits getan. Kreativität und Einfallsreichtum können das Ergebnis eines bewussten Umgangs mit Langeweile sein. Damit Kinder Langeweile nicht negativ empfinden, sollte ihnen die Möglichkeit gegeben werden, zu lernen, dass sie eine Herausforderung bietet, die zu meistern sie kreativer, stärker und selbstbewusster machen wird.

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