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Das Buch „Der Tipping Point“ (deutsch etwa: Der Umkipp-Punkt) des amerikanischen Autors Malcolm Gladwell (*1963 in England), das im Jahr 2000 erschien, beschreibt anhand von diversen Beispielen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft das Zustandekommen von Trends aus kleinsten Veränderungen. Es richtet sich vornehmlich an Unternehmen und kann von die-sen ausgezeichnet für Marketingprozesse genutzt werden, ist jedoch für jedermann lesenswert.



Inhalt und Rezension

Malcolm Gladwell wendet sich zwar stark an Unternehmen, jedoch dürften Polizisten, Psychologen oder Historiker ebenso das Buch klüger zuschlagen, als sie es geöffnet haben. Der Tipping Point ist jener Punkt, der nach dialektischem Weltverständnis den Umschlag von Quantität in Qualität bewirkt, und dieser Prozess findet fortwährend statt. Es entstehen Modetrends auf der Straße, Stadtviertel werden sicherer oder unsicherer, technische Innovationen setzen per vielfältigem Gebrauch durch oder verschwinden wieder von der Bildfläche. Der Autor betrachtet diese Entwicklung in allen Gesellschaftsbereichen, identifiziert Vermittler, Kenner und Verkäufer in sozialen Gebilden, analysiert anhand der deutschen Fernsehserie „Sesamstraße“ Verankerungsfaktoren, benennt Regeln von Epidemien und beschreibt die Macht äußerer Umstände. Faszinierend an dem Buch ist der interdisziplinäre Ansatz, für den der Autor bekannt ist. Zur Eröffnung regt Malcolm Gladwell einen neuen Blickwinkel an, der die Umwelt nicht als unbeweglich, sondern in permanenter Bewegung betrachtet. Das ermöglicht es mit einem kleinen Anstoß, scheinbar manifeste Verhältnisse zu kippen, wenn der Tipping Point getroffen wird. Das Konzept folgt dem Grundansatz, dass wenige Stellschrauben genügen können, um große Veränderungen einzuleiten. Die Grundgesetze benennt der Autor mit dem „Gesetz der Wenigen“, der „Verankerung“ und der „Macht der Umstände“. Wenige Kenner und Vermittler sorgen für die epidemische Ausbreitung von Nachrichten. Sollten diese sich aufgrund ihrer Relevanz im Gedächtnis der Masse verankern, entsteht ein neues Bewusstsein, ergo eine neue Qualität. Das alles hängt allerdings von äußeren Umständen und dem richtigen Zeitpunkt ab, zu dem eine Idee aufgeworfen wird. Untersetzt ist das Buch mit einer Vielzahl von Beispielen aus allen Bereichen, sei es das Rauchen, die Vermarktung von Mode oder die Verbrechensbekämpfung in New York.

Zum Autor und der Intention

Gladwell lebt in New York, er verbrachte die Kindheit und Jugend in Kanada und studierte in Toronto Geschichte. Er ist hauptberuflicher Journalist, seit 1996 für den New Yorker, und hat mehrere Bestseller geschrieben, in denen er stets Beispiele aus sehr vielen Lebensbereichen heranzieht, die nur scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Der Tipping Point ist eine Quintessenz seiner Erkenntnisse, die These wird auch von Wissenschaftlern verfochten und stammt begrifflich schon aus dem Jahr 1957. Selbst Klimaforscher nutzen das Denkmodell des Umschlags von Entwicklungen, in der Wirtschaft gilt es inzwischen als Führungsstil. Hierbei geht man davon aus, dass es wesentlich schwerer bis unmöglich ist, eine Masse (von Mitarbeitern oder Konsumenten) zu beeinflussen als ein Extrem zu finden, das einen asym-metrischen, also überproportionalen Einfluss auf das Gesamtsystem nimmt. Wenn so ein Ext-rem genutzt werden kann, ist es möglich, den Tipping Point auszulösen. Das wäre in der Wirtschaftswelt beispielsweise das Aufgreifen eines latent spürbaren Trends, zum Beispiel zu Computern, die transportabel, aber nicht so klein wie ein Handy sind und eine intuitive Be-nutzeroberfläche aufweisen. Steve Jobs hatte so eine Idee und ließ das iPad erfinden.

Diese Beispiele lassen sich zu Hunderten fortführen, auch in Gesellschaftsbereichen. Man denke nur daran, welch scheinbar kleine Ereignisse bisweilen Revolutionen auslösen. Ein sehr promi-nentes Beispiel für das Finden eines Tipping Points ist die Broken-Windows-Theorie und die daraus folgende Strategie, mit der Bürgermeister Rudolph Giuliani in den 1990er Jahren das Verbrechen in New York bekämpfte. Man ging davon aus, dass eine zerbrochene Fenster-scheibe ein Signal für Verwahrlosung darstellt, in deren Umgebung sich Drogen und Verbre-chen ansiedeln – also bekämpfte man zuerst diese scheinbar harmlose Verwahrlosung und reparierte konsequent die Scheiben. Die Politik ging auf, New York gilt heute als wesentlich sicherer als vor 20 bis 30 Jahren.




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