Im Winter ist es kalt: Nähe wärmt, und Eros ruft

Kalt ist draußen und zu lange dunkel: Wer alleine lebt, oder allein zu zweit, spürt mehr als sonst das Verlangen nach Nähe und Wärme, nach Berührung und anderem: Ob Partner für’s Leben oder prickelnde Kurzzeitaffäre … das Internet macht es möglich. Immer mehr Partnervermittlungsbörsen bieten ihre Dienste an und versprechen – vorerst virtuelles – Liebes- und Lebensglück.

Im Winter ist es kalt: Nähe wärmt, und Eros ruftDie Suche nach der „großen Liebe“, der beständigen und erfüllten Partnerbeziehung, beschäftigt Frauen und Männer, Dichter und Denker – alle, jede und jeden von jung bis alt – eher schlicht, oder komplex … und das seit Anbeginn aller Tage. Vermittler und Agenturen, die hier ihre Leistungen anbieten, gibt es schon lange. Natürlich auch im Internet – und es werden immer mehr.

Virtueller Marktplatz erotischer Wünsche

Nicht ganz neu, aber sich deutlich zunehmender Beliebtheit erfreuend, sind Anbieter von Vermittlungsdiensten, die den Partner/die Partnerin für die unverbindliche und verpflichtungsfreie Begegnung, die (einmalige) erotische Abenteuer, den „Seitensprung“ und/oder zahlreiche andere Spielarten vermitteln. Ein virtueller Marktplatz „geheimer“ erotischer Wünsche und Phantasien – deren Verortung abgefragt wird, um ein Profil zu erstellen: Küssen – ja oder nein, oral?, sado?, maso? … Leder, Lack, zu zweit, oder zu dritt …? – die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Das Angeklickte und die Vorstellungen von Größe, Gewicht, Haarfarbe, Figur und Kleidungsstil beschreiben dann die „Ware“ nebst Vorlieben und ergeben das erwähnte „Profil“, das noch durch ein Foto ergänzt werden kann.

Entsprechungen führen zu Kontaktangeboten: Da sitzt man/frau dann vor dem Bildschirm und nimmt verschwommene oder maskierte Gesichter/Körper wahr, nebst entsprechenden „Decknamen“: Vom „Latin Lover“, bis zum „Blümchen 2000“: Irgendwie wie in einem Online-shop, allerdings ohne exakte Produktbeschreibungen. So dass Überraschungen vorprogrammiert sind. Und der „Latin Lover“ im schlimmsten Fall der sehr belesene und verschlossene Nachbar ist. Der mit den dicken Brillengläsern, der – oh je! – gerade zwei Häuser weiter wohnt und die gewählte Bezeichnung höchstens deswegen verdient, weil er Latein liebt. Und sich das „Blümchen 2000“, das mit den blumigen Worten („Pflück‘ mich“) lockt, eher eine vertrocknete Blattpflanze ist, deren Blüten Mann vergeblich sucht – und dann doch wenigstens als Druckmotiv auf der Bettwäsche findet – ein schwacher Trost.

Virtuelles im Tageslicht

Selbstdarstellung/angepriesene Produkteigenschaften der auf dem virtuellen Marktplatz angebotenen Ware haben oft mit dem, was sich dann in der schonungslosen Realität darstellt, wenig gemeinsam, schon gar nicht bei Tageslicht. Und wenn virtuell Strg+Alt+ Entf das Mittel der Wahl ist, bleibt Mann oder Frau dann ganz real nur das Mittel der Flucht.
Wie hoch die tatsächliche Ausbeute ist, hängt wohl vom Anspruch jedes Einzelnen ab – und von dem, was da gewünscht wird. Dabei gilt: Desto höher der Anspruch, desto niedriger die Erfolgsquote. Der Zeitaufwand ist dabei nicht gering – oft sind es zahllose Mails, die einem ersten Kennenlernen vorangehen – um dann die „Flucht zu ergreifen“: Vielleicht sollte der Eine oder die Andere wieder einmal mit offenen Augen durch die Welt gehen und ein Lächeln, ein freundliches Wort haben, für den oder die, die uns tatsächlich begegnen – und unser Interesse finden. Das erlaubt uns, bei Tageslicht zu wählen und Wesentliches gleich in Augenschein zu nehmen … „wer suchet, der findet“ – denn es muss so viele geben, die suchen. Oder etwa doch nicht? Denn: Ob und in wie weit die einzelnen Angebote dieser virtuellen Wunschbörsen real vorhanden sind, können wir von außen nicht beurteilen.

Den Weg einer solch virtuellen Kontaktaufnahme zu gehen, ist zweifellos eine interessante Erfahrung, die in jedem Fall das tatsächliche Leben bereichert. Ob positiv oder negativ, wird sich zeigen. Das Ausloggen ist unproblematisch.

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