Gespräche mit dem Haustier

Für viele Tierfreunde wird ein Traum wahr, denn Gespräche mit dem Haustier sind möglich. Dass Katzen die Stimmen ihrer Besitzer erkennen, den Kopf in die Richtung drehen oder manchmal auch nur die Ohren, wissen viele Katzenfreunde bereits. Doch eine japanische Studie hat nun die Fähigkeiten der Katzen näher untersucht und beweist erstmals, dass Katzen aktiv zuhören. Ein „Übersetzer“ für Hunde ist bereits in der Entwicklung.

HaustiereGroße Augen – wenn der Besitzer spricht

Katzen erscheinen oft ein wenig hochmütig und unbeteiligt, doch sie hören ganz genau hin und erkennen tatsächlich die Stimmen ihrer Besitzer. Die japanischen Wissenschaftler schließen aus dem Verhalten der Katzen, dass sie den gesprochenen Worten ihrer Halter große Aufmerksamkeit zukommen lassen. In der Studie konnten die Katzen nicht sehen, wer sprach, doch sie folgten mit Kopf und Ohren den Lauten. Dabei konnten sie die Stimmen ihrer Besitzer von denen fremder Studienteilnehmer unterscheiden: So vergrößerten sich etwa ihre Pupillen – was bei Katzen als eine emotionale Erregung gedeutet wird. Dies geschah auch, wenn sie mit einer fremden Stimme vertraut gemacht wurden. Wer bereits mit den räuberischen wie kuscheligen Stubentigern zusammenlebt, wird auch davon nicht überrascht sein, doch das Team um die japanische Forscherin Atsuko Saito war es schon: Denn während die Entwicklung und Züchtung der Hunde vom Befolgen der Befehle ihrer Besitzer abhing, so gingen diese Auswahlkriterien an der Evolution der Katze völlig vorbei.

Das Katzen-Pokerface als Überlebensstrategie

Im Gegensatz zu Hunden, die beinahe jedes Wort ihres Besitzer in sekundenschnelle auf ihre vier Beine bringt, zeigen sich Katzen oft unbeteiligt und erscheinen gar ein wenig hochnäsig, wenn im Raum gesprochen wird. Doch die japanische Studie fand, dass dies der Katze nicht übel genommen werden kann, denn das Verhalten basiert auf einer in der Evolution der Katze entwickelten und ziemlich klugen Strategie: Gefühle verbergen hilft im Überlebenskampf. Ist die Katze krank, so wird sie dies in der Wildnis zu verbergen suchen – denn helfen kann ihr dort ohnehin niemand und die Beutejäger, für die kranke Kollegen ein leichtes Spiel sind, warten bereits an der Ecke. Doch nach 10.000 Jahren des Zusammenlebens von Mensch und Katze haben die Minitiger die Fähigkeit erworben, mit uns zu sprechen – und wir, sie zu verstehen. Die japanische Studie wird im Juli in der Ausgabe der englischsprachigen „Animal Cognition“ veröffentlicht und folgt damit einer amerikanischen Studie zu Präriehunden auf der Pfote.

Kommt demnächst die Hunde-App?

An der Northern Arizona University führte Professor Con Slobodchikoff ähnliche Untersuchungen mit Hunden durch und entwickelt eine Technologie, mit der Laute der Präriehunde interpretiert werden können. Slobodchikoff sieht bereits die Möglichkeit, diese Entwicklung irgendwann auch auf den besten Freund des Menschen übertragen zu können. Hundehalter werden wohl auch weite Pupillen bekommen, wenn sie den Spekulationen von Slobodchikoff lauschen, denn der Professor hält auch die Übersetzung der menschlichen Sprache in die Hundelaute für möglich. Damit dürfte einer regen Kommunikation zwischen Mensch und Hund grundsätzlich nichts mehr im Wege stehen. Vielleicht wird die neue Technologie aber auch die Diskrepanz der vermeintlich gemeinsamen Interessen zwischen Mensch und Tier offensichtlich machen. Arbeitsprobleme oder Beziehungsstress werden wohl eher auf Unverständnis stoßen, doch gemeinsame Spaziergänge und das Abendessen dürften dem Besitzer alle Aufmerksamkeit sichern.

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