Der Kampf gegen das Vergessen – mehr als ein Etappensieg?

Bei den Versuchsmäusen war der Wirkstoff ein voller Erfolg und die britischen Wissenschaftler der Studie träumen bereits von einer Heilung von Alzheimer – wenn auch erst in einigen Jahren. Zum ersten Mal konzentrierte sich ein Team aus Forschern auf von Alzheimer hervorgerufen Veränderungen im Gehirn. Bei den Amyloid-Ablagerungen im Gehirn handelt es sich um falsch gefaltete Proteine. Die Sensation jedoch ist – der Vorgang scheint „reversibel“ und lässt sich anscheinend rückgängig machen. Mit dem neuen Wirkstoff rückt erstmals eine Heilung der heimtückischen Alzheimer-Erkrankung in greifbare Nähe.

AltenheimGnadenlos und quer durch die Gesellschaft

Die Alzheimerkrankheit macht auch vor den prominenten und gut betuchten der Gesellschaft nicht halt. Die Hollywoodschönheit Rita Hayworth, der amerikanische Ex-Präsident Ronald Reagan, Charles Bronson oder die deutschen Herbert Wehner, Helmut Schön und Rudi Assauer machten als Alzheimer-Patienten Schlagzeilen. Der Verlauf der Krankheit ist so schleichend. Wissend, dass der unaufhaltsame Fortschritt der Krankheit nicht aufzuhalten ist, vergessen die Betroffenen nach und nach ihr Leben. In einer Gesellschaft, in der Alter und der Ruhestand mit Aktivität, Reisen oder gar Universitäts-Studien verbunden werden, wird eine Erkrankung wie Alzheimer zum Albtraum. Wenn auch überwiegend Menschen höheren Alters betroffen sind, so wird bereits bei 50-Jährigen die Diagnose Alzheimer gestellt. Bereits früh leiden die Betroffenen am Nachlassen der kognitiven Leistungsfähigkeit – ohne dabei jedoch an Alzheimer zu denken.

Zu den ersten Warnzeichen zählen verbale Wiederholungen des Betroffenen. Wird eine Frage immer wieder gestellt oder eine bestimmte Geschichte wiederholt erzählt, so kann dies auf den Fortschritt der Erkrankung hinweisen. Gegenstände nicht mehr wiederfinden oder eine gestellte Frage zu wiederholen, ist dagegen oft eine Sache der Angewohnheit, doch zusammen mit weiteren Faktoren kann dies ebenfalls ein Hinweis auf die Alzheimer-Erkrankung sein. Schließlich werden alltägliche Verrichtungen vergessen, ohne dass es dem Betroffenen auffällt. Das Äußere wird vernachlässigt oder die Funktion der Fernbedienung wird zum Rätsel.

Diagnose mit Erdnussbutter

Zurzeit besteht keine Chance auf Heilung und nicht einmal die Ursachen der Erkrankung sind vollständig geklärt. Selbstverständlich wurde auch bei Alzheimer das eine oder andere Gen identifiziert, doch sind genetische Veränderungen bestenfalls Risikofaktoren, nicht jedoch Auslöser der fortschreitenden Demenz. Eine besondere Fähigkeit der sich im Gehirn ablagernden Beta-Amyloid-Proteine zeigt dagegen in eine ganz andere Richtung. Diese Proteine verfügen über eine stark antimikrobielle Wirkung und könnten die Immunantwort auf eine noch unbekannte Infektion sein. Die Diagnose Alzheimer gestaltet sich ähnlich schwierig. Eine interessante Beobachtung machten Studenten des UF McKnight Brain Institute Center for Smell and Taste in den USA.

In den Anfangsphasen der Alzheimer Erkrankung verfügten die Patienten über einen besseren Geruchssinn im linken Nasenloch, während die rechte Öffnung kaum den Geruch der Erdnussbutter wahrnahm – ganz im Gegensatz zur nicht erkrankten Kontrollgruppe. Doch erst wenn ein deutlicher Fortschritt der Erkrankung festzustellen ist, wie etwa in den Stadien der Demenz und der leichten kognitiven Beeinträchtigung, lässt sich heute die Diagnose Alzheimer erwägen. Danach beträgt die Lebenserwartung der Erkrankten etwa sieben bis zehn Jahre.

Von Mäusen und Menschen

In der jüngsten Studie der Universität von Leicester analysierten die Wissenschaftler die von den fehlgefalteten Proteinen verursachten Schäden – im Gegensatz zu früheren Studien, die sich auf das Entfernen dieser Proteine konzentierten. Der neue Wirkstoff, als GSK2606414 bezeichnet, wird vom Pharmariesen GlaxoSmithKline entwickelt. Die behandelten Mäuse der Studie blieben vollständig ohne Symptome, während ihre nicht behandelten Kollegen Alzheimer entwickelten. Das Enzym PERK spielt im Krankheitsverlauf eine entscheidende Rolle, denn es steuert die Antwort der Gehirn-Neuronen auf die fehlgefalteten Proteine. Mit der alles wiedergutmachenden Pille ist jedoch frühestens im nächsten Jahrzehnt zu rechnen – denn so hilfreich der Wirkstoff sich zeigte, die Nebenwirkungen waren schwerwiegend.

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